Public Review Draft

Artificial Commons entwickelt eine gemeinsame Sprache für Transparenz im Zeitalter generativer AI.

Hier das Draft einer Charta in der Version 0.1 für den public review.

1. Präambel

Die Digitalisierung hat die Art und Weise, wie Menschen Informationen erstellen, verbreiten und nutzen, grundlegend verändert. Mit dem Aufkommen generativer Künstlicher Intelligenz entstehen Texte, Bilder, Audio- und Videoinhalte zunehmend in einem Zusammenspiel menschlicher und maschineller Beiträge. Diese Entwicklung eröffnet neue Möglichkeiten für Kreativität, Wissenschaft, Bildung, Journalismus und Wirtschaft. Gleichzeitig stellt sie Gesellschaften weltweit vor eine neue Herausforderung: Menschen müssen nachvollziehen können, wie digitale Inhalte entstanden sind.

Artificial Commons entsteht aus der Überzeugung, dass Transparenz über den Entstehungsprozess digitaler Inhalte eine grundlegende Voraussetzung für Vertrauen in der digitalen Öffentlichkeit ist. Dabei verfolgt Artificial Commons ein klares Prinzip:

Artificial Commons bewertet keine Inhalte.
Artificial Commons beschreibt Entstehungsprozesse.

Das Artificial Commons Forum wurde gegründet, um Medien, Wissenschaft, Technologie, Bildung, Zivilgesellschaft und öffentliche Institutionen zusammenzubringen und gemeinsam eine offene, internationale und verständliche Sprache für diese Transparenz zu entwickeln.

Artificial Commons versteht sich weder als Konkurrenz zu bestehenden technischen Provenienzsystemen noch als Ersatz journalistischer oder wissenschaftlicher Qualitätssicherung. Das Forum baut auf bestehenden Entwicklungen auf und ergänzt sie um eine menschenzentrierte Perspektive: Wie können Informationen über die Entstehung digitaler Inhalte so kommuniziert werden, dass sie für möglichst viele Menschen verständlich und nachvollziehbar werden?

Artificial Commons ist kein fertiger Standard.
Artificial Commons ist ein offener Entwicklungsprozess.

Der Standard entsteht nicht vor dem Dialog. Er entsteht durch den Dialog.

2. Vision

Wir streben eine digitale Welt an, in der Transparenz über die Entstehung digitaler Inhalte selbstverständlich ist. Jeder Mensch soll nachvollziehen können, wer an einem Inhalt mitgewirkt hat, welche Rolle Künstliche Intelligenz gespielt hat, welche wesentlichen Bearbeitungsschritte erfolgt sind, und welche Informationen für das Verständnis der Entstehung relevant sind. Diese Transparenz soll unabhängig von Plattformen, Herstellern, Staaten oder einzelnen Technologien funktionieren und weltweit verständlich sein.

Artificial Commons versteht Transparenz nicht als Kontrolle, sondern als Voraussetzung für Vertrauen, Selbstbestimmung und informierte Entscheidungen.

3. Mission

Artificial Commons entwickelt gemeinsam mit Medien, Wissenschaft, Technologie, Bildung, Kultur, Wirtschaft und Zivilgesellschaft eine gemeinsame Sprache für Transparenz im Zeitalter generativer AI.

Das Forum schafft einen offenen Rahmen, in dem Anforderungen, Begriffe, Modelle und Empfehlungen gemeinschaftlich entwickelt, erprobt und kontinuierlich weiterentwickelt werden können.

Artificial Commons versteht sich als Plattform für Zusammenarbeit. Ziel ist nicht die Entwicklung eines proprietären Systems, sondern eines offenen, international nutzbaren Rahmens, der von möglichst vielen Menschen und Organisationen mitgetragen werden kann.

Die Arbeit des Forums orientiert sich an fünf Grundprinzipien:

  • Verständlichkeit für Menschen.
  • Offenheit gegenüber Technologien und Plattformen.
  • Internationale Zusammenarbeit.
  • Wissenschaftliche und journalistische Integrität.
  • Transparente Entwicklung aller Ergebnisse.
4. Ziele

Das Artificial Commons Forum verfolgt insbesondere folgende Ziele:

4.1 Eine gemeinsame Sprache entwickeln

Entwicklung eines offenen Vokabulars zur Beschreibung der Entstehung digitaler Inhalte. Dabei soll nicht bewertet werden, ob ein Inhalt richtig oder falsch ist, sondern ausschließlich beschrieben werden, wie er entstanden ist.

4.2 Verständlichkeit fördern

Technische Informationen über Provenienz, Metadaten oder AI-Nutzung sollen in eine Form übersetzt werden, die auch ohne technisches Fachwissen verständlich ist. Artificial Commons versteht sich als Brücke zwischen komplexen technischen Informationen und menschlicher Kommunikation.

4.3 Bestehende Standards ergänzen

Artificial Commons entwickelt keine Konkurrenz zu bestehenden technischen Standards. Das Forum arbeitet mit bestehenden Initiativen zusammen und ergänzt diese um eine menschenzentrierte Transparenzschicht.

4.4 Offene Zusammenarbeit ermöglichen

Alle interessierten Organisationen und Fachleute sollen die Möglichkeit erhalten, sich an der Entwicklung zu beteiligen. Die Vielfalt unterschiedlicher Perspektiven wird ausdrücklich als Stärke verstanden.

4.5 Pilotprojekte fördern

Neue Konzepte sollen möglichst früh praktisch erprobt werden. Pilotprojekte mit Medienhäusern, Hochschulen, Unternehmen, Behörden und zivilgesellschaftlichen Organisationen sollen dazu beitragen, die Praxistauglichkeit der entwickelten Modelle zu überprüfen und kontinuierlich zu verbessern.

5. Grundprinzipien

Menschen zuerst

  • Artificial Commons entwickelt keine Sprache für Maschinen.
  • Artificial Commons entwickelt eine Sprache für Menschen.
  • Technologie soll erklärt werden – nicht umgekehrt.

Transparenz statt Bewertung

  • Artificial Commons trifft keine Aussage über die Qualität, Glaubwürdigkeit oder Wahrheit eines Inhalts.
  • Das Forum beschreibt ausschließlich dessen Entstehungsprozess.

Offenheit

  • Alle Spezifikationen, Empfehlungen und Diskussionspapiere werden öffentlich entwickelt.
  • Der Entwicklungsprozess ist ebenso transparent wie das angestrebte Ergebnis.

Technologieoffenheit

  • Artificial Commons bevorzugt weder einzelne Hersteller noch Plattformen oder AI-Systeme.
  • Der Rahmen soll unabhängig von konkreten Technologien funktionieren und zukünftige Entwicklungen berücksichtigen.

Internationale Perspektive

  • Digitale Kommunikation kennt keine nationalen Grenzen.
  • Artificial Commons strebt deshalb eine internationale Zusammenarbeit an und möchte unterschiedliche kulturelle, sprachliche und rechtliche Perspektiven frühzeitig in die Entwicklung einbeziehen.
6. Was Artificial Commons ist – und was nicht

Artificial Commons verfolgt einen bewusst klar abgegrenzten Auftrag. Das Forum beschäftigt sich ausschließlich mit der transparenten Beschreibung der Entstehung digitaler Inhalte. Artificial Commons trifft keine Aussage über deren Qualität, Wahrheit oder gesellschaftliche Bewertung.

Artificial Commons ist daher insbesondere

  • kein Fact-Checking-System,
  • kein Gütesiegel für vertrauenswürdige Inhalte,
  • keine Plattform zur Inhaltsmoderation,
  • kein Instrument zur Regulierung von Meinungen,
  • keine Zensurmaßnahme,
  • keine AI-Regulierung,
  • keine Zertifizierungsstelle.

Artificial Commons beantwortet ausschließlich eine Frage: Wie ist dieser digitale Inhalt entstanden?

  • Nicht: Ist dieser Inhalt wahr?
  • Nicht: Ist dieser Inhalt gut?
  • Nicht: Soll dieser Inhalt veröffentlicht werden?

Die Verantwortung für diese Fragen verbleibt bei Medien, Wissenschaft, Justiz, Plattformen und letztlich bei jedem einzelnen Menschen.

7. Verhältnis zu bestehenden Initiativen

Artificial Commons versteht sich als Teil eines wachsenden internationalen Ökosystems für Transparenz, Authentizität und verantwortungsvolle digitale Kommunikation. Das Forum verfolgt ausdrücklich das Ziel, bestehende Initiativen zu ergänzen und miteinander zu verbinden. Technische Herkunftsnachweise, kryptographische Signaturen oder Content Credentials liefern wertvolle Informationen über Herkunft und Integrität digitaler Inhalte. Artificial Commons ergänzt diese technischen Verfahren um eine menschenzentrierte Perspektive.

Im Mittelpunkt steht die Frage:

Wie können Informationen über die Entstehung digitaler Inhalte so dargestellt werden, dass sie von möglichst vielen Menschen verstanden werden? Artificial Commons versteht sich deshalb als semantische und kommunikative Ebene, die auf bestehenden technischen Verfahren aufbauen kann, ohne an eine bestimmte Technologie gebunden zu sein.

Das Forum begrüßt ausdrücklich die Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen, Standardisierungsinitiativen, Forschungseinrichtungen, Medienhäusern und zivilgesellschaftlichen Organisationen.

8. Arbeitsweise

Artificial Commons entsteht in einem offenen und nachvollziehbaren Entwicklungsprozess.

  • Alle wesentlichen Dokumente werden öffentlich veröffentlicht.
  • Entwürfe werden versioniert.
  • Änderungen werden dokumentiert.
  • Diskussionen werden nachvollziehbar festgehalten.
  • Stellungnahmen können von allen interessierten Personen und Organisationen eingebracht werden.
  • Das Forum strebt einen transparenten Konsensprozess an.
  • Wo unterschiedliche Auffassungen bestehen, sollen diese sichtbar dokumentiert werden.
  • Nicht jede Frage muss sofort entschieden werden.

Artificial Commons versteht Vielfalt unterschiedlicher Perspektiven als Voraussetzung für tragfähige Lösungen.

9. Organisationsstruktur

Das Artificial Commons Forum besteht aus mehreren Ebenen.

9.1 Initiating Organization

Die Humanistische Akademie Österreich initiiert das Artificial Commons Forum und stellt in der Aufbauphase die organisatorische Infrastruktur zur Verfügung. Sie versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Eigentümerin des Standards. Mit zunehmender Entwicklung des Forums sollen Governance und Verantwortung schrittweise auf eine internationale Gemeinschaft übertragen werden.

9.2 Founding Participants

Founding Participants sind Organisationen, die sich bereits in der Gründungsphase aktiv an der Entwicklung beteiligen. Sie bringen ihre fachliche Erfahrung, ihre Perspektiven und ihre Kritik in den offenen Entwicklungsprozess ein. Eine Mitgliedschaft als Founding Participant bedeutet keine Verpflichtung zur späteren Übernahme oder Unterstützung einzelner Spezifikationen. Sie dokumentiert ausschließlich die Bereitschaft, an einem offenen Dialog mitzuwirken.

9.3 Members

Mitglieder des Forums können Organisationen und Einzelpersonen werden, die sich dauerhaft an der Arbeit des Forums beteiligen möchten. Die Mitgliedschaft steht grundsätzlich allen offen, die die Ziele und Grundprinzipien der Charter unterstützen.

9.4 Observers

Organisationen können den Entwicklungsprozess auch ohne aktive Mitarbeit begleiten. Observers erhalten Zugang zu Entwürfen, Konsultationen und öffentlichen Veranstaltungen und können sich jederzeit aktiv in die Arbeit des Forums einbringen.

9.5 Working Groups

Die fachliche Arbeit erfolgt in thematischen Working Groups. Diese werden nach Bedarf eingerichtet und arbeiten eigenverantwortlich innerhalb der Grundprinzipien des Forums. Working Groups veröffentlichen ihre Ergebnisse grundsätzlich öffentlich.

10. Working Groups

Die inhaltliche Entwicklung von Artificial Commons erfolgt in offenen Working Groups.

Working Groups sind interdisziplinäre Arbeitsgruppen, die sich mit klar abgegrenzten Themenbereichen beschäftigen und Empfehlungen, Entwürfe oder Spezifikationen erarbeiten. Jede Working Group arbeitet transparent. Ziele, Mitglieder, Sitzungsprotokolle, Entwürfe und Ergebnisse werden öffentlich dokumentiert. Working Groups entscheiden eigenständig über ihre Arbeitsweise, solange diese Charter eingehalten wird.

Zu den ersten Working Groups können insbesondere gehören:

  • WG Journalism – Transparenz im Journalismus und in redaktionellen Prozessen
  • WG Metadata & Provenance – Anbindung an technische Provenienzsysteme und Metadatenmodelle
  • WG User Experience – Verständliche Darstellung von Transparenzinformationen
  • WG Accessibility – Barrierefreie Kommunikation von Transparenz
  • WG Education – Einsatz von Artificial Commons in Bildung und Wissenschaft
  • WG Ethics & Human Rights – Ethische und menschenrechtliche Fragestellungen
  • WG Governance – Weiterentwicklung der Organisationsstruktur des Forums
  • WG Research – Wissenschaftliche Begleitung und Evaluation
  • WG Creative Industries – Anwendung in Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft

Weitere Working Groups können jederzeit eingerichtet oder wieder aufgelöst werden.

11. Öffentliche Konsultationen

Artificial Commons entwickelt seine Ergebnisse nicht hinter verschlossenen Türen. Jeder wesentliche Entwurf durchläuft mindestens eine öffentliche Konsultationsphase. Während dieser Zeit können Organisationen, Unternehmen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie interessierte Einzelpersonen Stellungnahmen, Verbesserungsvorschläge und Anwendungsbeispiele einbringen. Alle Stellungnahmen werden dokumentiert und fließen nachvollziehbar in die weitere Entwicklung ein. Die öffentliche Konsultation ist ein wesentlicher Bestandteil der Qualitätssicherung von Artificial Commons.

12. Pilotprojekte

Artificial Commons verfolgt einen praxisorientierten Ansatz: Neue Konzepte sollen möglichst früh gemeinsam mit Partnerorganisationen erprobt werden. Pilotprojekte dienen dazu,

  • die Verständlichkeit vorgeschlagener Modelle zu überprüfen,
  • technische Umsetzbarkeit zu testen,
  • Erfahrungen aus realen Arbeitsabläufen zu gewinnen,
  • Rückmeldungen unterschiedlicher Nutzergruppen einzuholen.

Pilotprojekte können insbesondere gemeinsam mit

  • Medienhäusern,
  • Hochschulen,
  • Forschungseinrichtungen,
  • Unternehmen,
  • Behörden,
  • NGOs,
  • Softwareentwicklern

durchgeführt werden. Die Ergebnisse werden veröffentlicht und bilden eine Grundlage für die Weiterentwicklung der Spezifikationen.

13. Entscheidungsprozesse

Artificial Commons strebt Entscheidungen im Konsens an.

  • Konsens bedeutet nicht Einstimmigkeit.
  • Konsens bedeutet, dass unterschiedliche Positionen gehört, dokumentiert und ernsthaft berücksichtigt werden.
  • Wo kein Konsens erreicht werden kann, werden abweichende Positionen gemeinsam mit ihrer Begründung veröffentlicht.

Das Forum versteht Meinungsvielfalt nicht als Hindernis, sondern als Vielfalt und Voraussetzung robuster und international tragfähiger Lösungen.

14. Transparenz der eigenen Arbeit

Artificial Commons fordert Transparenz nicht nur von anderen. Das Forum verpflichtet sich auch selbst zu größtmöglicher Offenheit. Dazu gehören insbesondere:

  • öffentliche Versionierung aller Dokumente,
  • nachvollziehbare Änderungsprotokolle,
  • Veröffentlichung der Arbeitsstände,
  • Dokumentation wesentlicher Entscheidungen,
  • Offenlegung der Governance-Struktur,
  • transparente Benennung organisatorischer Verantwortlichkeiten.

Die Entwicklung von Artificial Commons soll selbst ein Beispiel für transparente Zusammenarbeit sein.

15. Geistiges Eigentum und Lizenzen

Artificial Commons verfolgt das Ziel, seine Ergebnisse dauerhaft frei zugänglich zu machen. Soweit rechtlich möglich, sollen Spezifikationen, Dokumentationen, Referenzmodelle und unterstützende Materialien unter offenen Lizenzen veröffentlicht werden. Das Forum fördert offene Referenzimplementierungen sowie eine freie Nutzung der entwickelten Modelle. Die Wahl konkreter Lizenzen erfolgt transparent und unter Berücksichtigung international etablierter Open-Content- und Open-Source-Prinzipien.

16. Internationale Zusammenarbeit

Artificial Commons versteht sich als internationale Initiative. Das Forum strebt eine enge Zusammenarbeit mit Organisationen aus Wissenschaft, Medien, Technologie, Zivilgesellschaft und internationalen Institutionen an. Besonderer Wert wird auf die Einbindung unterschiedlicher kultureller, sprachlicher und rechtlicher Perspektiven gelegt. Artificial Commons soll von Beginn an international gedacht und entwickelt werden.

17. Schlussbestimmungen

Diese Charter beschreibt die Grundprinzipien des Artificial Commons Forums. Sie ist kein statisches Dokument. Sie entwickelt sich gemeinsam mit dem Forum weiter. Änderungen erfolgen transparent, nachvollziehbar und unter Beteiligung der Gemeinschaft. Artificial Commons versteht diese Charter nicht als Abschluss eines Entwicklungsprozesses. Sie ist dessen Beginn.

Epilog

Artificial Commons entwickelt keine Antworten auf die Frage, was Menschen glauben sollen.
Artificial Commons entwickelt eine gemeinsame Sprache für Transparenz im Zeitalter generativer AI.

Diese Sprache entsteht offen.
International.
Gemeinsam.